Mit 20 Jahren wanderte er aus Kairo mit dem Ziel eines Medizinstudiums
in Schweden aus. Doch statt in den hohen Norden verschlug es ihn nach
Bielefeld, aus der Stockholmer Universität wurde das ägyptische
Restaurant »Wali’s« am Kesselbrink. Zwei Jahre arbeitete er dort
als Kellner und lernte Sprache, Land und Leute zu schätzen.
»Die Gastronomie war aber nie mein Ziel«, gab sich der damalige
Neu-Bielefelder mit dem Erreichten nicht zufrieden. So arbeitete er
als Elektriker, lernte das Dreherhandwerk und schloss eine Ausbildung
zum Techniker ab. Aus einer betulichen Karriere an der Werkbank wurde
aber zunächst nichts. 1983 übernahm er zusammen mit seiner Frau
Annette eine Diskothek in Bünde, die sie bis 1987 betrieben. »Das
war aber zuviel Stress«, erinnert sich Atif Hasanien zurück: »Ich
hatte das Gefühl, dass dabei ich um zehn Jahre gealtert bin.«
Erst der Zufall machte aus dem inzwischen als Industrieingenieur tätigen
Ägypter einen passionierten Kunsthändler. Als Hasanien mit Kollegen
Kairo besuchte, beobachtete er wie ein Deutscher massenhaft Papyrus
und Schmuck kaufte. »Er wollte die Kunstgegenstände auf dem
Flohmarkt verkaufen«, berichtet er von der Geburtsstunde seiner Geschäftsidee:
»Ich dachte mir: Das machst du auch – dann aber richtig.« Als
Fachmann suchte er gute Stücke aus, importierte sie nach Bielefeld
und begann den Vertrieb via Internet. Kurze Zeit später wurde aus dem
Hobby ein kleiner Nebenerwerb. »Wir haben inzwischen Kunden in ganz
Europa«, freut er sich über seinen Erfolg.
Tochter Moana-Luisa und Ehefrau Annette nehmen das zeitraubende
Hobby von Atif Hasanien gelassen, auch wenn der Ägypter nach der
Arbeit stundenlang in sein Arbeitszimmer verschwindet. Denn für die
Zeit nach dem Berufsleben hat der Wahl-Bielefelder schon für sich und
seine Familie vorgesorgt: »Später geht es zurück nach Ägypten, in
ein Häuschen weit von Kairo entfernt«, freut er sich schon ein wenig
aufs Altenteil. Doch bis dahin bleibt Stieghorst sein umtriebiger
Pharaonen-Sohn erhalten.
Zum Foto:Definitiv keine Arbeitskleidung: Bei einer Ägypten-Reise
schlüpften Atif Hasanien, seine Tochter Moana-Luisa (links) und eine
Freundin in die Kleidung der alten Pharaonen.